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15.06.2018 19:19

WERBUNG: Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten. Dieser Umstand hat keinen Einfluss auf meine Beurteilung. Mein Dank gilt dem Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

An dieser Stelle möchte ich mich vielmals für die gnadenlose Verspätung dieser Buchbesprechung entschuldigen. Wie viele von euch mitbekommen haben, gab es in den letzten Monaten diverse emotionale familiäre Tiefschläge, die es mir einfach nicht möglich gemacht haben, vorher dem Buch wirklich gerecht zu werden. Dieses Buch ist eines der seltenen Juwelen, die wirklich volles Herzblut verdienen.

Kurzbeschreibung

Poetisch, romantisch und betörend schön

Die sechzehnjährige Anouk verbringt die Ferien in einem kleinen Dorf in der Bretagne. Kurz nach ihrer Ankunft gastiert der Dark Circus in der Nähe: ein geheimnisvoller Zirkus, der im Dorf für seine düsteren und besonderen Vorstellungen bekannt ist. Auch Anouk gerät schnell in seinen Bann und damit in einen Kosmos, den sie kaum für möglich hielt: Eine magische Welt öffnet sich vor ihr, in der sie den mysteriösen Zauberer Rhasgar kennenlernt. Doch der Dark Circus birgt mehr, als Anouk ahnt. Bald schon schwebt sie in tödlicher Gefahr und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Denn es gibt keine Regeln im Dark Circus bis auf eine: Nichts ist, wie es scheint ...

Erscheinungsdatum: 25. September 2017

Seitenzahl der Printausgabe: 593

Verlag: cbt Verlag

ISBN-10: 3570164853

ISBN-13: 978-3570164853

Hier geht’s zum Buch: cbt Verlag / Gesa Schwartz / Facebook

Angaben zum Autor

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Ihr besonderes Interesse galt seit jeher dem Genre der Phantastik. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Für ihr Debüt „Grim. Das Siegel des Feuers“ erhielt sie 2011 den Deutschen Phantastik Preis in der Sparte Bestes deutschsprachiges Romandebüt. Zurzeit lebt sie in der Nähe von Hamburg in einem Zirkuswagen.

Rezension – Wenn Dein Herz dich durch dunkle Wege führt …

Zum Inhalt des Buches werde ich nicht viel verlieren. Der Klappentext gibt wirklich hierzu schon einen auf den Punkt gebrachten Input, den man nicht steigern kann. Es ist einfach zu wichtig – wirklich unglaublich komplex, vielschichtig und abenteuerlich –, den Kosmos des Buches in seiner Gänze für sich selbst zu entdecken. Vielmehr möchte ich mich hier auf das Gefühl konzentrieren, welches dieses Buch in mir ausgelöst hat. Denn letzten Endes ist es doch genau das, was wir uns von wirklich guten Geschichten erhoffen: dass sie etwas in uns anrühren und uns am Ende anders zurücklassen, als wir zu Beginn der Geschichte waren. Dieses Gefühl: Es ist für mich bedingungslose Liebe und das Spüren von Magie. Einer Magie, die alles umgibt, uns bis in die kleinste Zelle durchdringt. Eine Magie, die die Autorin mit ihren Worten zum Leben erweckt. Eine Magie, die sogar ein halbes Jahr nach dem Lesen noch derart stark in mir nachwirkt, dass die Bilder des Buches in mir so präsent sind, als würde ich sie gerade erst entdecken. It’s a first for me too. Ich hatte es noch nie, dass eine Geschichte so lange in mir nachgeklungen und mich bewegt hat. Die Autorin wählt dabei einen Stil und Ton, der mitten ins Herz geht und das Sein durchdringt. Sie verwendet neue, andere, frische Bilder und zeichnet sie so für mich als absolutes schriftstellerisches Ausnahmetalent aus.

„Jetzt trug es seinen Part zur Symphonie der Stille bei.“

Es ist ein Talent, das man mit Ruhe und Zeit lesen und genießen sollte, damit einem nichts entgeht, denn alles – wirklich alles! – ist von Bedeutung. Die detailreiche, aus der Sicht der 16-jährigen Prota erzählte Geschichte ist ein Einteiler. Ein Einteiler, der sich um die absolut zauberhaft gezeichneten Protagonisten Anouk und Rhasgar webt und eine leicht düstere Stimmung hat. Diese wird auch perfekt durch das dunkle Cover vermittelt, das mit der geheimnisvollen Frau darauf schon eine Andeutung in Richtung Circus, dunkle Macht und Mystik liefert. Diese Stimmung wird von Beginn an aufgegriffen und sie zieht sich mit einer sehnsuchtsvollen Schwere durch das gesamte Buch. Aber es wirkt nie erdrückend. Selbst in den aussichtslosesten Lagen, in denen sich unsere beiden mit sehr viel Substanz versehenen Protas hin und wieder befinden, in den Wendungen, die sie durchleben müssen, erschlägt einen diese Schwere nicht. Vielmehr rahmt sie das Geschehen in ein perfektes Kleid und gibt uns, so widersprüchlich das auch klingen mag, stets ein positives Grundgefühl, das von Mut, Stärke und Zuversicht geprägt ist. Ein Gefühl, das uns in Bezug auf den Gänsehaut vermittelnden Titel – Scherben der Dunkelheit – zeigt, dass eine zersplitterte Seele doch wieder gesunden kann. Aber auch, dass es nicht leicht ist.

„[…] ein Traum, der nie vollkommener gewesen war als kurz vor dem Zerbrechen.“

Und genau mit dieser Seelenzersplitterung sehen sich fast sämtliche Charaktere der Geschichte konfrontiert. Ob ihre Wunden verheilen, bleibt abzuwarten. Sie arbeiten – gewollt oder ungewollt – im Dark Circus, der sich an ihrer Lebensenergie, an ihren Farben bereichert. Bis zum vollkommenen Einnehmen des Seins. Es ist ein Buch, das uns die dunklen Seiten menschlicher Existenz abstrahiert offenbart und gerade deshalb beleuchtet, das Gute ist da, die Hoffnung lebt, so klein sie auch ist, sie keimt und wächst zu etwas Mächtigem heran. Ich habe schon die Schwere der Stimmung erwähnt. Und trotz ihrer allseitigen Gegenwart, webt die Autorin gekonnt noch weitere Stimmungsgeflechte mit ein. Von knisternd magisch, melancholisch-berührend bis zu schaurig-spannend und hinreißend-liebevoll. Dabei spricht sie zum Leser in einem poetischen und klangvollen Schreibstil, der mit dem Zauber der Worte und Wünsche und der Gewichtigkeit menschlicher Fantasie arbeitet.

‚Scherben der Dunkelheit‘ ist für mich sprach-, bild- und emotionsgewaltig. Ich habe mit Anouk mitgefiebert, gelitten, ihren Schmerz und Verlust wie eine kalte Klaue um mein Herz gefühlt. Habe ihre Liebe in mich aufgesogen, ihre Farben haben mich zum Strahlen gebracht, ihr Mut hat auch mir Mut gegeben. Ich habe gezittert, mich gefürchtet, geweint, mich mit der Vergangenheit versöhnt und die wärmste Liebe, die ich je zwischen Protagonisten gelesen habe, verspürt. Für mich ist dieser Roman ein Epos voll geheimer Rätsel und Hintergründe, die es mit den Protagonisten zu entschlüsseln gilt. Wie ein Puzzle der eigenen tiefsten Abgründe und ein Spiegel, der unser Innerstes – ganz gleich wie hässlich oder schön – nach außen kehrt und uns vorhält, wer wir sind, was wir waren und wer wir sein wollen und können. Es ist ein Buch über die Mannigfaltigkeit an Möglichkeiten und doch auch über die Grenzen der eigenen Wahrnehmung, über lähmende Angst und einen alles sprengenden Mut. Dieses Buch tut einfach gut.

„[…] lange genug jedenfalls, um die Scherben auf dem Boden auszubreiten wie eine Decke aus Schnee über tiefe Wunden.“

Die Scherben (unseres Selbst?) ergeben ein Ganzes, das wiederum verzerrt bleibt, bis es wahrlich geheilt werden kann.

  • Doch kann es das je?
  • Wandelt uns das Spiel mit der Macht, der Kampf gegen diese nicht selbst in den Antagonisten, dem wir zu entkommen versuchen?
  • Kann Liebe am Ende tief in der Seele Zerstörtes wieder heilen?
  • Können verlorene Farben in einer ungewissen Zukunft leuchten?
    à Findet es zusammen mit Anouk heraus.

Ich hoffe sehr, dieses Buch gefällt euch genauso stark wie mir. Für mich ist es eine absolute Buchliebe. Allein folgendes Zitat drückt für mich schon den Kern und das Wunderschöne des Buches aus: die Macht der Liebe und der Liebe zur Freiheit:

„Es gibt keine Angst, die dieser Sehnsucht standhält.“

Jedes Mal, wenn ich es lese, bekomme ich Gänsehautfeeling und die absolute Leselust auf einen Re-read. Dieses Buch ist einfach unglaublich. Unglaublich magisch, gefühlvoll, perfekt!

Eure Jil Aimée

 

15.06.2018 17:24

#werbung

Kurzbeschreibung

Der Auftakt zur historischen Hansen-Saga von Ellin Carsta, der Erfolgsautorin von »Die heimliche Heilerin«: opulent erzählt, emotional und von sinnlicher Farbigkeit.

Eine mächtige Familiendynastie auf dem Prüfstand der Geschichte.

Hamburg 1888: Als der Familienpatriarch Peter Hansen aus dem Leben scheidet, bleiben seine Söhne Robert, Karl und Georg mit einer großen Aufgabe zurück: Wie können sie in diesen turbulenten Zeiten den Fortbestand des hoch verschuldeten Familienunternehmens und die gesellschaftliche Stellung der Hansens sichern? Eine Plantage im fernen Kamerun bietet die einmalige Chance, die stark wachsende Nachfrage nach Kakao zu bedienen. Was von einem Teil der Familie als großes Abenteuer gesehen wird, ist für die anderen schon in der Vorstellung ein Albtraum.

Robert macht sich mit seiner Familie auf den Weg in das Land am Golf von Guinea. Seine Frau Elisabeth kehrt Hamburg nur sehr widerwillig den Rücken, und das Verhältnis zwischen den Eheleuten wird zusehends angespannt. Luise hingegen, ihre jüngste Tochter, findet das Leben auf der Plantage sehr aufregend. Nicht zuletzt, weil mit Hamza, dem Sohn des Vorarbeiters, zum ersten Mal ein Mann in ihr Leben tritt, für den sie starke Gefühle entwickelt …

Erscheinungsdatum: 20. Februar 2018

Seitenzahl der Printausgabe: 362

Verlag: Tinte & Feder

ISBN-10: 1542047889

ISBN-13: 978-1542047883

Hier geht’s zum Buch: Tinte & Feder / Ellin Carsta / Instagram

Ich habe das Buch als Printrezensionsexemplar erhalten, dieser Umstand hat jedoch keinen Einfluss auf meine Beurteilung.

Angaben zum Autor

Ellin Carsta ist das Pseudonym der deutschen Autorin Petra Mattfeldt, die zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in der Nähe von Bremen lebt. Mattfeldt hat sich unter dem Pseudonym Caren Benedikt bereits einen Namen im historischen Genre gemacht. Sie schreibt außerdem Krimis, Thriller und Jugendbücher. "Die heimliche Heilerin" ist der Auftakt zu einer Reihe, die sofort zum Bestseller avancierte.
Der Titel "Rebengold" wurde auf die Shortlist zum Skoutz-Award 2017 im Bereich History gewählt.
 

Rezension – Wenn die Familie zur Prüfung des eigenen Ichs wird!

‚Die ferne Hoffnung‘ ist eine Geschichte über einen plötzlichen Abschied in einer Hamburger Kaufmannsfamilie um 1888, der mit ein wenig Retrospektive vielleicht gar nicht so unerwartet ist. Dennoch ist er nicht weniger heftig. Denn er erfordert von der betroffenen Familie viel Geschick, Taktgefühl und das rasche Entwickeln neuer Geschäftsstrategien, um den wirtschaftlichen Fortbestand der Familiendynastie zu sichern. Sie vor dem Ruin zu bewahren, ob finanziell oder was die Beziehungen untereinander angeht. Es ist aber auch und vor allem eine Geschichte über die Zukunft einer Familie und deren Schicksale, über das Bewahren und gleichzeitig Aufbrechen von Traditionen, um auch einen Weg in die Moderne und ihre Herausforderungen zu finden. Manchmal über ganz ungeahnte Wege. Es ist eine Geschichte darüber, wie sich die gesellschaftliche Stellung wandeln kann, und dass ein vermeintlicher Abstieg vielleicht in Wahrheit ein Aufstieg ist. Ein Finden von wahrem Glück, innerer Zufriedenheit, auch wenn diese vielleicht zuvor ein Brechen aus alten Strukturen und Beziehungen erfordert. ‚Die ferne Hoffnung‘ erzählt aber auch von dem Kampf des Weges dorthin, und dem Verständnis, das es braucht, um eine Familie Familie sein zu lassen. Sie ist somit vielschichtig, so unterschiedlich wie die Mitglieder der Familie Hansen selbst. Es gibt nie nur eine Seite eines Lebens. Wenn dann gleich so viele Leben betroffen sind, sind die Ausformungen mehr als nur mannigfaltig. Ellin Carsta schafft es hier, komplexe Verhältnisse und vielgestaltige Charaktere mit ihren Höhen und Tiefen, ihren Eigenheiten und Stärken, ihren Sehnsüchten und Fehlern miteinander in Einklang zu bringen und ein schönes Leseerlebnis zu gestalten.

Die Geschichte kommt mit einer langsamen, ruhigen Spannung daher, die nicht weniger packend oder tiefschürfend ist als eine laute Story mit viel Tamtam. Die Erzählweise der Autorin wirkt vornehm, nahezu edel und doch einnehmend, gefühlvoll und so bildhaft, so magnetisch, dass man das Buch in einem Rutsch verschlingen muss. Es bietet ein beeindruckendes Lesegefühl, das sowohl vom gestalterischen und flüssigen Stil der Autorin als auch vom gehaltvollen und emotional ereignisreichen Inhalt getragen wird. ‚Die ferne Hoffnung‘ ist dabei ein Titel, der eine ungekannte Sehnsucht weckt – nach Freiheit und Zusammenhalt, dem Finden der eigenen Person und dem Aufgehen in Träumen, dem Loslassen, Wiederfinden und Verbinden. Ein Titel, der so besonders ist, dass er nicht nur unter die Haut geht, sondern tief im Herzen seinen Platz findet und ein kraftvolles Bild der Geschichte zeichnet, welches man nicht mehr vergessen kann noch will. Dazu passt meiner Meinung nach hervorragend das Cover des Romans. Mit dem Blick auf das Schiff zeugt es schon von Abschied und Neubeginn, Loslassen und Finden. In mir selbst rührt es dabei zugleich Heim- und Fernweh an und lässt in meinem Leserherzen einen wunderbaren Tenor erklingen, den die Geschichte selbst später wieder auffängt und weitertreibt.

Ich habe in diesem (historischen) Roman erlebt und auch irgendwie ein Stück der Geschichte aktiv mit gelebt, was stark der packenden Erzählweise der Autorin geschuldet ist. Sie macht dabei neugierig – auf so viele Dinge. Die historischen Aspekte, die sie in die Story einwebt, wie auch in das Fortleben der Charaktere. An wenigen Stellen hätte ich mir vielleicht etwas mehr gewünscht. Gerade was die Betrachtung der unterschiedlichen Sexualität angeht. Dafür hat es mir sehr gefallen, dass trotz der für mich bildhaften Sprache keine Langeweile aufkam, es wurde sich nicht in einer überzogenen Darstellung und Beschreibung der Kulisse verloren – wie es gerade bei Romanen mit einem historischen Setting gerne passiert –, sondern kurz und treffend geschildert.

Erzählt wird in unterschiedlichen Ebenen und Strängen, was die Handlung angeht. Diese wiederum lebt von großen Dialogen. Das hat es sehr vielschichtig und anziehend gemacht. Zudem war es unterhaltsam, die unterschiedlichsten Einblicke zu erhalten. Sei es in direktem Bezug auf die Charaktere und ihr Innenleben sowie das Zwischenmenschliche oder was historische und wirtschaftliche Aspekte wie die deutsche Kolonialzeit und den Kakaohandel angeht. Natürlich weicht an manchen Stellen die Realität dem gestalterischen Freiraum. Aber so soll es ja auch sein, um eine rundum ausgewogene und den Leser mitreißende Geschichte zu erschaffen. Die Protagonisten weisen für mich die perfekte Mischung auf, sie bleiben nicht zu flach, lassen aber auch Entwicklungspotenzial. Sie haben Ecken und Kanten und sind manchmal extrem. Aber gerade das macht so neugierig auf Band zwei. Unterstützt wird diese Neugier durch den grandiosen Cliffhanger zum Schluss des Buches. Man muss unbedingt wissen, wie es weitergeht.

  • Vergisst man wirklich nie, was man einst liebte?
  • Gibt es überhaupt eine gute Zukunft für eine Familie in einer ungewissen Welt?
  • Zerbrechen die Charaktere an ihren Herausforderungen oder werden sie von dem getragen, was sie im Herzen eint? Halten sie der Herausforderung stand?

Liebe Autorin, ich bin schon sehr gespannt.

Meine absolute Leseempfehlung.

Eure Jil Aimée

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