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19.12.2017 10:04

Kurzbeschreibung / #werbung

Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec …

 

Erscheinungsdatum: 18. Dezember 2017

Seitenzahl der Printausgabe: 400

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-10: 3442485738

ISBN-13: 978-3442485734

Hier geht’s zum Buch: Claudia Winter / Amazon / Goldmann Verlag

Ich danke dem Goldmann Verlag für das Bereitstellen eines Vorab-Rezensionsexemplars im Taschenbuch Format. Dieser Umstand hat keinen Einfluss auf meine Bewertung.

#Anzeige #Werbung #Rezensionsexemplar

 

Angaben zum Autor

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Als Tochter gehörloser Eltern lernte sie bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben, gefördert von ihrem Vater. Vor "Aprikosenküsse" hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Ihr neuer Roman "Glückssterne" erscheint am 12. Dezember 2016 im Goldmannverlag, Randomhouse.
Ihre frühen Werke sind in Neuauflage unter dem Pseudonym "Carolin Wunsch" erschienen.
Die Autorin lebt mit ihrem Mann und den Hunden Kim und Luka in einem kleinen Dorf nahe Limburg an der Lahn.

 

Rezension – Fische nach deinen Träumen, du bist selbst dafür verantwortlich

‚Die Wolkenfischerin‘ ist bereits der dritte Roman, den ich von der Autorin aus dem Goldmann Verlag lese, und auch er begeistert wieder. In der gewohnten Eleganz und gefühlvollen Note, die jeder einzelne Satz ins Leserherzen treibt. Claudia Winters Schreibstil hat klasse, ist flüssig und eloquent, malt wundervolle Bilder und webt packende Gefühle, entführt einen direkt an den Ort des Geschehens und lässt einen reisen – durch die Geschichte, die Schauplätze, das Leben. Sie hat es somit zum wiederholten Mal geschafft, mich am Ende vollkommen zufrieden zurückzulassen. Bisher waren ja die ‚Glücksterne‘ mein Favorit von ihr, doch ich muss sagen, dass diese durch ‚Die Wolkenfischerin‘ um einen Platz nach hinten verschoben worden sind. Claudia Winter ist mit dieser Erzählung schriftstellerisch gewachsen, hat sich an ein zum Teil sehr persönliches Thema (Gehörlosigkeit ist auch in ihrer Familie bekannt) herangetraut und dieses voller Leben und Kraft in die Geschichte gebaut. Davor ziehe ich meinen Hut, denn es kostete mit Sicherheit eine Menge Mut und Tränen, doch es ist ihr gelungen. In jedem Wort spürt man die unendliche Liebe, die sich nicht an äußerlichen und innerlichen Begebenheiten festmacht, sondern die einfach ist. Rein und klar. Ich bin ein Fan ihrer Art, Geschichten zu erzählen – voller Stil, Wortwitz, Esprit und immer passend zum jeweiligen Thema. Claudia Winters Romane sind voller Genuss, Zuneigung und schmiegen sich wie ein lieb gewonnener Freund um die Leserseele.

So natürlich auch in diesem kleinen Schmuckstück, indem wir zu Beginn der jungen Gwen begegnen, die ihren Vater verloren hat und damit vorerst auch, ihren Träumen nachzujagen. Ihre Schwester ist gehörlos, ihre Mutter seit dem Tod des Mannes seltsam kalt und distanziert, wenn es um Gwen geht, welche sich missverstanden und ein Stück weit auch im Stich gelassen fühlt. Vor dem harten Schicksalsschlag war die Familie geprägt von Liebe, Zuneigung und Lebensfreude, jetzt ist sie erfüllt von Einsamkeit, fehlender Hoffnung und der Bitterkeit des Lebens. Die Trauer droht Gwen zu ersticken, nimmt ihr jede Antriebskraft, die sie gerade in den Jahren einer Teenagerin so dringend benötigte. Doch dann entscheidet sich die von Schmerz und Verlust durchsetzte Familie, die etwas schrullige Tante in Paris zu besuchen und mit Gwen wird mit einem Mal alles anders, sie lernt wieder zu leben und ihren Schmerz hinter der Fassade der grand dame zu begraben. Flüchtet vor ihrer Vergangenheit, um sich eine fehlerlose Zukunft aufzubauen. Plötzlich taucht auch noch eine gewisse Claire in Gwens Leben auf und weist ihr den Weg die Träume- und Karriereleiter hinauf. Das Ganze hat nur einen hohen Preis: die Abkehr von Mutter und Schwester, der sie doch ein baldiges Wiedersehen versprochen hatte … ein ›Bald‹, das eine Ewigkeit dauern sollte …

Wenn das Leben neue Chancen verteilt und ein übermächtiger Beamter zum Überbringer dieser wird. Wenn eine gehörlose Schwester, eine sich über die Jahre abschottende Mutter und eine Tante voller Charme, Esprit und Grande Dame-Allüren zum Wegweiser nach Hause werden. Wenn ein Chef, der so ganz anders ist als die vergangenen Jahre zum Anker wird und in der Heimat Gwens unerwartet auftaucht. Wenn eine Gwen sich selbst zu finden versucht. Wenn Fassaden, die wir alle von Zeit zu Zeit auflegen, bröckeln, weil der Blick dahinter uns erst die Wirklichkeit zeigt. Ja, dann ist es Schicksal, ein Schicksal, das uns offenbart und mit viel Mut erkennen lässt, dass Finistère womöglich doch nicht das Ende der Welt ist. Sondern erst der Beginn, man muss sich einfach nur von den bretonischen Wellen tragen lassen. Sie führen einen schon genau dahin, wo das Herz gesunden kann.

  • Ob es Gwen so auch ergehen wird?
  • Wird sie es schaffen, zu ihrer Familie und ihren wahren Träumen zurückzufinden?
  • Frisst der Schmerz um den bitteren Verlust sie innerlich auf und macht eine Rückkehr zu Mutter und Schwester unmöglich?
  • Wird es am Ende überhaupt noch eine Familie geben, die sie willkommen heißt?
  • Und was hat es mit dieser Claire auf sich, die später noch zu Gwens Wegweiser in Richtung Wahrheit werden soll?
  • Nicht zu vergessen, ein gewisser Hellwig, der dieser nicht nur das Herz höherschlagen lässt, sondern sie auch dazu zwingt, eine wichtige Entscheidung zu treffen?
  • Was wird es am Ende sein: Wahrheit oder Lüge?

Lest selbst und lasst Euch abwechselnd entführen nach Berlin, Paris und in die Bretagne. Lasst Euch dabei wie die Wolken treiben und nehmt jedes noch so leise Detail auf. Der Herzschlag der Geschichte sitzt in jeder Zeile. Es ist eine Liebesgeschichte: um die unendliche Liebe einer Familie, um Vergebung, Neubeginn und die Erkenntnis, dass ein Zuhause nicht durch Lügen und Abkehr verschwindet, sondern sich immer im Herzen befindet.

»[…] und es war so still dort, während hier sogar die Nacht einen Herzschlag hatte.«

Ein besonderes Merkmal an Winters Romanen, das ich sehr zu schätzen gelernt habe, ist: Die Autorin gibt nicht durch knappe Randbemerkungen ein nur angedeutetes Flair der Kulisse der Geschichte wieder, sondern zeichnet das Bild mit ausgewogener Fülle, mit Charme, mit Authentizität. Die Schauplätze sind gut recherchiert und um die perfekte Note eigener Inspiration ergänzt. Damit lockt sie einen wirklich in die Bretagne. Ich habe mich durch ihre Worte direkt heimisch gefühlt, den Ort/die Gegend ins Herz geschlossen. Ergänzt wird das in Winters Fall immer durch landes-/regionstypische Rezepte, die sich am Ende des Buches finden und in Bezug zur Geschichte stehen. Man bekommt somit wahrlichen Genuss auf das volle Entdecken. Winters Romane sind mehr als bloße, kurzweilige Geschichten. Sie sind ein Gesamtpaket, das ins Herz geht und einen auf vielen Ebenen voller Gaumenfreude und Zufriedenheit erfüllt. Und das darüber hinaus mit einzigartigen Anekdoten und Verweisen geschmückt ist, die für mich persönlich von Bedeutung sind, als würde die Autorin mein Herz kennen. Das ist ein besonderes Talent, für ein großes Publikum zu schreiben und doch jeden Einzelnen auf seine Weise zu erreichen. In meinem Fall war es Folgendes: »Der kleine Prinz«, wie er in der Geschichte erwähnt wird, ist auch eine meiner Lieblingsgeschichten. Zu lesen, dass er auch Einzug in die Herzen anderer findet, war nur ein weiteres von vielen Schmankerln in der Wolkenfischerin.

Darüber hinaus vermag es Claudia Winter, jeden Charakter voller Stärke und Liebe bis ins Detail zu zeichnen, dass man sich einem jeden davon beim Lesen nahe fühlt. So nahe, als begleite man nicht nur Gwen, sondern auch die anderen durch die Bretagne, die Reise des Lebens. Aber vor allem: Als begleite man sie auf ihrem Weg nach Hause. Ja, alle Charaktere sind auf ihre eigene Weise ausnahmslos stark. Winter schreibst einfach mit Tradition, Esprit und einer würzigen Prise Humor (vor allem in den schrulligen und herzallerliebsten Nebencharakteren), die das Ganze abrunden.

»Nun denn, ich finde, der Name Claire Durant klingt wie eine ganz wundervolle Eintrittskarte.«

  • Doch eine Eintrittskarte wohin? Zurück ins echte Leben?

Der Roman ist für mich eine einzigartige Erzählung mit dem perfekten Gespür für das, was uns als Leser in unseren Herzen berührt: große Träume, Liebe, Erfolg, aber auch die Bewältigung tiefer Trauer, das Erlenen von Vertrauen (vor allem in sich selbst), und Vergebung – allein die Mischung daraus ist der Weg in die Zukunft, in eine ehrliche Zukunft. Auf Lügen lässt sich nichts mit dauerhaftem Bestand aufbauen – die Botschaft dieses Buches. Irgendwann fällt das erschaffene Konstrukt zusammen, wie eine Pusteblume im Wind verweht. Die eigene Vergangenheit vergisst einen nie. Man kann niemals vor sich selbst davonlaufen. Etwas, das die Protagonistin in diesem Werk aufs Schärfste selbst erfahren wird.

Kommen wir nun zur äußeren Aufmachung. Es ist eines dieser wenigen Cover, die einen direkt im Herz berühren und an den Ort des Geschehens entführen. Voller Farbe, voller Hoffnung, voller Urlaubsfreude – wie auch die Geschichte selbst. Die Blau-und Rottöne harmonieren gekonnt und in Verbindung mit dem Hafen im Hintergrund und dem Titel des Romans lassen sie einen sich direkt an den Ort der Geschichte träumen, durch die Cafés und kleinen Läden flanieren, nach den großen Wünschen greifen, ja nach Wolken fischen. Für mich wirklich einfach besonders. Ich nahm das Buch in die Hand und wusste sofort, es ist wie nach Hause kommen, an einen Ort, der mir bisher unbekannt war. Ein Ort, der mir nach der Geschichte aber zu einer Heimat des Herzens geworden ist. Darüber hinaus muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass das auf der Rückseite des Buches abgedruckte Autorenfoto farblich perfekt zum restlichen Cover passt, zudem wirkt die Autorin sehr sympathisch. Im Inneren glänzt es auch. Die Schwalben (?) über den Kapiteln, gekonnt ausgewählt und so passend und schön gestaltet, fischen quasi auch im Himmel nach den Wolken.

Abschließend und zusammenfassend:

So viel Liebe zum Detail vermochte die Autorin in die zu Beginn auf zwei Zeitebenen erzählte Geschichte, ja in die Ausgestaltung der malerischen Kulisse zu legen. Zusammen mit den Rezepten am Ende, die zu bretonischem Hochgenuss einladen, und dem frz. Glossar bildet es einfach ein Gesamtschmuckstück. Etwas Besonderes, das die Wolkenfischerin in unsere Herzen malt wie die kleine Schwester Gwens ihre Träume auf der Leinwand verewigt. Und so seine Spuren hinterlässt und nachhallt wie eine liebevolle Erinnerung.
Also, Ihr habt inzwischen gemerkt, dieser Roman ging direkt in mein Herz. Ich kann ihn Euch daher nur wärmstens empfehlen, auch für das kommende Weihnachtsfest, gerade falls Ihr Euch der Kälte des Winters entträumen wollt. ‚Die Wolkenfischerin‘ hat mich daran erinnert, nach meinen eigenen Wolken zu fischen, zu träumen und wahrhaft und aufrichtig zu leben. Danke dafür, und Euch ein frohes Fest.

 

Eure Jil Aimée

10.12.2017 11:56

#Anzeige

Ich weiß, es gab lange keine Rezension von mir, das hatte familiäre Gründe. Aber jetzt bin ich zurück und hoffe, Ihr seht mir die lange Abwesenheit etwas nach. Danke dafür. Dafür vorab: Die folgende Rezension wird anders, teils sehr persönlich.

Kurzbeschreibung

Wenn ich erst einen Partner, einen neuen Job oder eine Strandbar in Thailand habe, dann ist mein Leben perfekt! Wir alle verfolgen große und kleine Träume, manchmal gehen sie sogar in Erfüllung - doch ist der erste Freudentaumel verflogen, fühlen wir uns bald wieder genauso wie vorher. Das ganz große Glück ist einfach nicht zu fassen. Kein Wunder: Unser Bedürfnis danach ist ein cleverer Trick der Evolution. Die Aussicht auf ein besseres Leben motiviert uns und treibt uns zu Höchstleistungen an, aber unsere Glückssuche kann auch unheimlich enttäuschend und kräftezehrend sein. Und vor allem bleibt sie langfristig immer eines: erfolglos!

Zeit, den Mechanismen unserer Psyche auf den Zahn zu fühlen. Was passiert, wenn wir aufhören, dem großen Glück hinterherzulaufen?

Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2017

Seitenzahl der Printausgabe: 240

Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth)

ISBN-13: 978-3431039986

ISBN-10: 3431039987

Leseempfehlung ab: 16 Jahren

Hier geht’s zum Buch: Amazon / Victoria Bindrum / Luebbe

Ich habe das Buch vom Verlag bzw. der Autorin als Rezensionsexemplar erhalten. Dieser Umstand hat keinen Einfluss auf meine Beurteilung.

Angaben zum Autor (nach Worten der Autorin!)

Ich bin Autorin und Diplom-Psychologin mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie und Fortbildung in Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Seit mehreren Jahren bin ich bei Gangway e.V., dem größten Träger für Straßensozialarbeit in Deutschland, tätig und unterstütze Menschen in Problemsituationen bei der Wiedererlangung ihrer beruflichen und privaten Orientierung. Ich war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Beratungspsychologie der Universität Potsdam und Dozentin für Psychologische Diagnostik. Neben meiner praktischen Tätigkeit gilt mein besonderes Forschungsinteresse den Faktoren zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Wohlbefinden, Forschungsarbeiten entstanden unter anderem in Kooperation mit der McGill University Montreal, Kanada. Mein erstes psychologisches Sachbuch ist im Oktober 2017 im Bastei Lübbe Verlag erschienen und beschäftigt sich mit dem Sinn und Unsinn unserer Glückssuche. Ich lebe mit meinem Mann und meinem Sohn in Berlin und veröffentliche unter meinem Mädchennamen Romane.


Rezension – Choice Point, die Wahl zu leben oder die Suche nach dem Glück voranzutreiben

Zunächst zu den harten Fakten. Das vorliegende Buch ist ein psychologischer Ratgeber und damit einmal Neuland für mich. Der Titel, ihr konntet es lesen, klingt lustig und regt direkt zum Nachdenken an. So auch das weiß gehaltene Cover mit dem einzigen Eyecatcher in Lila (Für viele die Farbe der Unzufriedenheit. Ein Hinweis?): das geflügelte Nilpferd. Was hat es damit auf sich, fragt Ihr Euch? Wie kann das ein Sachbuch und ein Ratgeber sein? Verspricht es uns wirklich das Glück oder eine Heilung vom „Glücksstress“? Ihr stellt Euch genau diese Fragen? Sehr gut. Hab ich mir auch. Daher war ich so neugierig auf die Lektüre und kann Euch sagen: Es hat mich überrascht, denn ich habe mich in vielem darin wiedergefunden. Vielleicht geht es Euch ja ähnlich.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, worin sich der erste mit dem Irrweg des Glücks und der zweite mit Ratschlägen zum Entdecken des Lebens befasst. Das ist zumindest meine Interpretation des Gelesenen. Jedes Kapitel hat dabei einen skurrilen und ebenfalls zum Andenken anregenden Titel, wie man ihm bei einem Sachbuch vielleicht nicht erwartet. Angereichert wird dieser jeweils durch ein passendes Zitat, das Bezug zu den im jeweiligen Kapitel erläuterten Ansichten, Erfahrungen der Autorin und teil wissenschaftlichen Belegen nimmt. Ihr seht, das Werk bietet eine ausgewogene Mischung aus wissenschaftlich erwiesen und selbst erfahren. Und genau das macht es so besonders! Es vermittelt am Ende keinen Zwang, den Ansichten der Autorin zu folgen, sondern lädt dazu ein, die Entscheidung zu treffen, es einfach selbst einmal „ohne das Glück“ zu versuchen.

Nun zu dem persönlichen Teil:

Für mich ist es ein Buch, das hilft, das eigene Erleben zu befragen. Eine Distanz zu dem Erlebten aufzubauen, es (relativ) neutral zu beobachten und sich davon und den daraus resultierenden Gedanken und Gefühlen nicht erdrücken zu lassen. Das Gehirn, der eigene Kopf sind laut – ständig. Es schreit uns danach, dieses und jenes zu tun, weil die Gesellschaft und unser Umfeld das von uns verlangen. Er verlangt, dass wir in bestimmten Situationen so und nicht anders fühlen, obwohl wir uns selbst doch ganz anders sehen. Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass diese Gedanken und Gefühle unbestreitbar immer da sind, uns aber nicht in Gänze ausmachen, so nehmen wir ihnen die Macht, uns zu lähmen, was uns den Freiraum ermöglicht, so zu leben und einfach mal zu sein, wie wir es wirklich möchten. Mit der Suche nach dem Glück, das in seiner nicht Haptik Wunschdenken und Irrweg bleibt, verhält es sich ähnlich. Wir werden immer danach suchen, sind in gewisser Weise dazu „programmiert“. Doch wenn wir lernen, zu erkennen, dass es das „Glück“ in dieser Form, dieser alles erfüllenden Zielerreichung und Befriedigung, nicht gibt, leitet es uns auch nicht mehr auf Irrwegen, sondern wir bestimmen wirklich selbst, wohin es gehen soll. Diese Erkenntnis braucht Übung. Und davon schenkt uns die Autorin in ihrem Sach- und Lebensbuch der etwas anderen Art eine Menge. Eine Menge an unkonventionellen und zugleich wertvollen Ideen, Beispielen und Möglichkeiten, wie wir uns von dem Drang nach Glück lösen und einfach nur sein können. Ihr Buch offenbart uns eine Akzeptanz dessen, dass wir als Mensch eine „Problemfabrik“ sind. Wir sind evolutionär darauf trainiert, Probleme lösen zu wollen. Und haben wir bestehende Fragestellungen gelöst, können wir nicht ruhen, sondern schaffen uns neue. So verhält es sich auch mit dem „Glück“, ist es einmal vermeintlich erreicht, stellt sich nach einer bestimmten Dauer ein Gefühl der Nichtzufriedenheit ein, wir ändern unseren Weg und suchen erneut. Ob es uns am Ende wirklich dauerhaft „glücklich“ macht? Wohl kaum. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Es geht viel mehr darum, sich nicht erdrücken zu lassen und dafür seinen eigenen Handlungs- und Gestaltungsspielraum des Lebens zurückzugewinnen bzw. zu entdecken. Viel zu oft verlieren wir uns in vermeintlich glücklich machenden, und doch eher sinnlosen und zeitraubenden Aktivitäten /oder negativen Gefühlen, die uns am Ende doch unzufrieden zurücklassen. Weil wir dann aber schon so viel investiert haben, dass eben der gewählte Weg doch „erfolgreich“ wird, ziehen wir nur selten die „Notbremse“, wechseln stattdessen einfach leicht den Kurs und verlieren uns wieder in einem Strudel aus Nichterfüllung und erdrückenden Gefühlen. Das heißt jetzt nicht, dass man sich von seinen Gefühlen und Gedanken komplett lösen und nur noch nach den Sonnenseiten des Lebens leben soll. Blödsinn, es geht vielmehr darum, das Leben als Ganzes zu erkennen, die volle Bandbreite an Gedanken und Gefühlen zu akzeptieren. Negative wie positive (auch ein Label unserer Gesellschaft!). Denn dadurch erfahren wir Erleichterung. Wir müssen nicht nach einem Sinn des Lebens suchen, wir sind selbst der Sinn. Einfach dadurch, dass wir eben sind. Ist das denn nicht genug? Der Fragestellung geht die Autorin in ihrem Werk auf den Grund und die Erkenntnis daraus ist beeindruckend. Lest es, ich bin sicher, am Ende wird es für Euch genau das Richtige sein.

Mir hat das Das geflügelte Nilpferd in einer derzeit hektischen und sehr emotionalen Zeit gezeigt bzw. mich daran erinnert, dass es darum geht, die Lebenszeit (denn manchmal ist sie viel zu kurz) zu genießen. Aber nicht nach den Standards der Gesellschaft, sondern einfach nach meinem Wunsch. Es bringt nichts, Irrungen und Wirrungen und leeren Versprechungen hinterherzujagen, wenn man doch einfach leben kann. Wir leben – jetzt. Jetzt ist aber auch nur ein Punkt in einer endlos weiterlaufenden Zeit. Jedes Jetzt bedingt das Gestern und ermöglicht das Morgen. Es ist eine nicht endende Einheit, ein Fluss, der zusammengehört und von dem man nicht abspringen sollte, um etwas hinterherzujagen, das man für ein für sich selbst wertiges Leben nicht braucht. Das Leben, meine Meinung, ist eine series of Nows. Immer nur nach Luftschlössern zu greifen, lässt uns dabei so vieles verpassen. Dessen sollten wir uns bewusst sein, aber eben gleichermaßen das Gestern und Morgen annehmen, denn auch diese gehören in die series of Nows. Ein weiterer Punkt, an den mich die Autorin zu passender Zeit erinnert hat. Ihr merkt, diese „Rezension“ ist sehr persönlich. Das liegt daran, das mich das Buch in einer Zeit erwischt hat, in der es nicht gut aussah und vieles Erdrückendes auf mich niedergeprasselt ist. Eine Zeit, in der mein Gedankenkarussell sich unaufhörlich drehte, ohne mir auch diesen innerlichen Raum der Ruhe, des Distanzierens und Durchatmens zu gönnen. Dabei war dieser gleichermaßen da wie das Laute in mir. Ich habe ihn nur vor lauter lauter nicht gesehen. Die Autorin hat mich mit ihrem Werk daran erinnert, einfach mal einen Schritt zurückzutreten, die Hände von den Augen zu nehmen, alles zuzulassen und zu beobachten. Und das hat so gutgetan. Ihr fragt Euch sicher, was ich hier so schreibe. Und ja, es entspricht nicht der üblichen Besprechung eines Buches, aber es ist eben genau das, was mich in diesem Buch so bewegt hat. Es kam zur rechten Zeit! Dafür ein großes Danke. Es erinnerte mich daran, dass ich selbst die Wahl habe, zu entscheiden, wie ich lebe, was ich zulasse und wonach ich suche. Selbst wenn es das (nichtexistierende!) Glück ist. Es hat mich gelehrt, dass ich ausbrechen kann aus dem erdrückenden Gedanken: „Ich muss das heute noch erledigen!“ Ja, ich entscheide selbst, ich muss mir diese Wahl nur zu gestehen. Und genau dafür gibt die Autorin eine Vielzahl an (für mich!) wunderbaren, teils abstrakten und doch zugleich einfachen Hilfestellungen, Beispielen und Vergleichen zur Hand, damit ich die für mich passende Richtung (nicht das Ziel!) wiederfinden kann. Ich habe zumindest viel davon mitgenommen, das ich versuche, in meinen Tag zu integrieren. Ich werde auf die einzelnen Punkte nicht eingehen, da das den Rahmen sprengt und jeder von uns ja anders ist. Daher noch mal: Lest selbst und findet genau das darin, was Euch hilft. Dennoch nenne ich knapp, was mir am wertvollsten erschien:

  • Jeden Tag eine (für mich) wertvolle Tat: ich versuche mir selbst zu vergegenwärtigen, dass ich mir einen Gefallen pro Tag tue. Nicht mein Mann, ich selbst. Es sind zunächst einmal diese freien Minuten am Abend, die ich künftig ohne Social Media verbringen will (in kleinen Schritten), um den Stress zu reduzieren und wirklich gut einschlafen zu können.
  • Werte Mantra: Welche Werte machen mein Leben für mich wertvoll? Nicht, wie sollen mich andere gerne sehen, sondern wie bin ich wirklich für mich!

„Denken ist gleichsam die Atmung des Gehirns.“ (~ Seite 207)

  • Wenn wir das akzeptieren, kann es existieren und uns eine gewisse Distanz zu unseren Gedanken erlauben, uns also nicht mehr einengen und lähmen.

Das sind für mich die TOP 3, die ich aus diesem Buch mitnehme. Ich bin sicher, Ihr findet noch andere. Es geht für mich in diesem Buch nicht darum, zu lernen loszulassen, zu suchen und zu finden. Sondern um die Akzeptanz dessen, was wirklich ist und dass ich einfach bin. Nur dann kann ich auch ändern, was ich wirklich ändern will. Anderes eben nicht.

„[…] Aber wenn wir das in der Aussicht auf das eigene Glück tun, werden wir uns unser ganzes Leben lang als mangelhaft erfahren.“ (~ Seite 105)

  • Und wer will schon dauerhaft mangelhaft sein, richtig? Es ist so viel bedeutsamer, sich voll und ganz vom Leben erfüllen zu lassen, als sich in einer nicht endenden und daher womöglich deprimierenden Suche zu verlieren. Ganz getreu dem Sprichwort: Life happens while you‘re making plans!

Ihr merkt, Das geflügelte Nilpferd hat mich nachhaltig beeindruckt, obwohl es der Autorin darum gar nicht ging. Sie wollte mich ganz sicher nicht glücklich damit machen, und doch hat sie das für eine gewisse Zeit geschafft. Doch ging es nicht darum, dass es das Glück nicht gibt? Ein Widerspruch? Nein, nur die Erkenntnis, dass wir dennoch immer weitersuchen werden nach dem Glück. Aber wenn wir das mit Bewusstsein und Distanz tun, verliert es die Macht über uns. Gleichzeitig vermittelt die Autorin aber auch Folgendes: Wir sprechen dem Glück zu, ein Allheilmittel zu sein. Wiederum knüpfen wir das Glück ans Tun und Denken unseres Selbst, stehen uns genau damit schließlich doch nur selbst im Weg. Wir drücken den modischen Zuständen wie Achtsamkeit, Loslassen und wie sie alle heißen ein Label auf, das auf Dauer nicht erfüllbar ist und sie zu einem weiteren Stressfaktor degradiert. Sie auf einen Punkt in unserem Plan der Dinge, die wir erreichen müssen, um glücklich zu sein, abstufen. Sie also selbst zu zusätzlichen Stressfaktoren zu machen, anstatt sie zwanglos zu leben.

Wir nehmen uns selbst Freiraum, zu handeln. Dabei sollten wir uns diesen doch gönnen. Doch sich von seinen Gedanken und Gefühlen ein Stück zu lösen, um sie wertfrei bzw. ohne Label betrachten zu können, ist nicht einfach. Auch hier hilft die Autorin mit tollen Übungen. Ich bin sicher, für jeden ist etwas dabei. Für mich war es die Landschaft der Gedanken und Gefühle. Ein tolles Canvas, das jedem Gefühl und Gedanken ein Puzzleteil im Bild meines Lebens zuspricht. Mir hilft es dabei, zu erkennen, was sie wirklich sind und ihnen einen Platz zu geben, statt sie zu verdrängen. Es nimmt vielen Dingen den Schrecken und ermöglicht – Ihr ahnt es schon – Handlungsspielraum. Natürlich bekommt bei mir der noch immer bestehende Wunsch nach „Glück“ so auch ein Bild. Es ist eine Wolke. Ich kann sie nicht greifen, sie zieht immer weiter. Mal löst sie sich auf, dann bildet sie sich wieder und wechselt den Kurs. Ich akzeptiere das, lasse sie ihrem Treiben nachgehen, haste ihr aber nicht mehr hinterher. Zumindest versuche ich das, mit einem zwinkernden Auge. Das hat mir in diesem Buch wirklich am meisten geholfen. Dafür ein großes Danke an die Autorin.

Mir hat der Read auf jeden Fall sehr gefallen und mir wahnsinnig viel Klarheit und Einsicht gegeben und Handlungsspielraum geschenkt. Sehr zu empfehlen. Vielleicht ist er ja auch etwas für Euch? In jedem Fall wünsche ich Euch mit diesem kurzen Einblick in meine Psyche einen schönen zweiten Advent.

Eure Jil Aimée

 

 

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